Kritik des Konzerts beim Jazzclub Rheinhessen in Guntersblum

AZ Landskrone – Guntersblum 06.03.2018

 

Improvisation und rollende Drums: „Off Time Connection“ im Rathauskeller Guntersblum

 

Von Fred Balz

 

GUNTERSBLUM – Jazzkonzerte sind in Guntersblum eher ungewohnt. Das Konzert des Jazzclubs Rheinhessen mit dem Modern Jazz Quartett „Off Time Connection“ aus Alzey und Frankfurt musste vom größeren Dorfgemeinschaftshaus in den kleineren Rathauskeller verlegt werden. Doch der liebevoll gestaltete Gewölbekeller, der sonst Weinproben vorbehalten ist, bietet eine angenehme Atmosphäre, Nähe zu den Musikern und eine hervorragende Akustik – der musikalische Funke springt sofort über.

 

Neben Jazzstandards verschiedener Epochen und Stile sowie facettenreicher Eigenkompositionen hat die Band als Joker zwei Gesangsnummern im Gepäck. Auch die Besetzung mit drei Frauen aus drei Generationen plus einen Mann als Tieftöner erlebt man nicht oft. Doris Kopf als „Kopf“ der Band am Piano ist nicht nur die Älteste im Bunde, sie führt mit konzentriertem Spiel die Einzelleistungen der Musiker zum stimmigen Ganzen zusammen. Mit Saxofonistin Doris Hebauf, die mit stimmungsvollen Soli glänzt, schreibt sie das Gros der Eigenkompositionen. Als frischer Wirbelwind entpuppt sich die junge Drummerin Imogen Gleichauf, die mit ihrem einschmeichelnden Gesang in Gesangsnummern an Diana Krall oder Rebecca Bakken erinnert. Geerdet wird die Musik von Thomas Legrand am Fender- und am Fretless-Bass.

 

Gershwins Ballade mal funky zu hören

 

Schon die Eröffnung mit dem Sonny Rollins Klassiker „St. Thomas“ von 1956, der rhythmisch an eine südamerikanische Rumba angelehnt ist, führt das Publikum in eine exotisch anmutende Klangwelt. Die Band schafft es mühelos, musikalische Weite und Transparenz mit ausgefallenen Melodien und zündenden Rhythmen zu verbinden. So spielen sie die Gershwin Ballade „Summertime“ ungewohnt straight und funky mit Off-Beat-Schlagzeug. Thomas Legrands Eigenkomposition „Mein geliebtes Töchterchen“ bietet sodann spannende Interaktionen aller Musiker mit überraschenden Breaks und musikalischen Abzweigungen. Unisono-Passagen und ungerade Rhythmen treffen dabei auf kammermusikalisch dichte Kompositionen und humorvoll provokativ gegen den Strich gebürstete Ideen. Mit sexy Stimme schwärmt Drummerin Imogen anschließend von ihrem „Loverman“, ohne dass ihr Schlagzeugspiel darunter leidet. Zum Höhepunkt gerät ihre zarte Version von Bobby Hebbs Songklassiker „Sunny“ in der zweiten Hälfte des Konzerts. Konny Kopf glänzt derweil mit dem Stück „Ginger“, das sie ihrer tanzenden Katze gewidmet hat. Auch die Ballade „Like Tomorrow“ mit einnehmendem Saxsolo stammt von ihr, während Saxofonistin Doris Hebauf in ihrem Blues „First of all“ mit unaufgeregt mäanderndem Bass und rollenden Drums improvisatorische Akzente setzt. Weitere Standards und Fremdkompositionen stammen von Sonny Rollins (Oleo), Steve Kuhn (die entspannt melodische „Saga of Harrison Crabfeather“), Tommy Dorseys Swing Adaption des Musicalsongs „Softly, as in a morning sunrise“ und Maria Baptists kraftvoller Funk „Smiling Again“ mit einem klug strukturierten Schlagzeugsolo Imogen Gleichaufs, das das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Einige weitere Eigenkompositionen sowie die Zugaben „Deep“ von Maike Scheel und der Klassiker „Autumn Leaves“ von Johnny Mercer vervollständigen ihren bunt schillernden Melodic Modern Jazz mit Suchtpotenzial.

 

DIE BAND

 

2013 haben sich drei Musikerinnen und ein Musiker zu dem Jazzquartett „Off Time Connection“ zusammengeschlossen.

Im Januar 2017 veröffentlichten sie ihre erste CD, auf der ausschließlich Eigenkompositionen zu hören sind.

 

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